Samstag, 1. November 2008
Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen... TAG 1
Kinderträume sind ja bekanntermaßen oft wie Luftschlösser – man muss sie später im Erwachsenenleben wieder einreißen. Deshalb glaube ich, dass die Idee der kleinen Andrea und der kleinen Catrin (im folgenden Blog der Einfachheit halber Cat genannt) – beide längst der Schulbank entwachsen - damals nichts weiter als ein müdes Lächeln bei unseren Eltern entlockt hatte. „Wenn wir erwachsen sind und viel Geld verdienen, werden wir in die USA fahren!“ Erwachsen sind wir jetzt zwar, das mit dem viel Geld verdienen jedoch ist Ansichtssache. Aber genau jenen Traum, dessen Beginn mehr als 10 Jahre zurück liegt, werden wir uns jetzt endlich erfüllen. Und das, bevor uns die BIG 30 mit schnellen und weit ausholenden Schritten überrollen wird: Amerika, wir kommen! Und im besten Fall stellt das eine halbernst gemeinte Drohung dar.

Tag 1 - 09.10.2008

Beinahe schleichend wurden aus 2 unendlich dauerenden Planungsjahren lediglich 24 Stunden bis zum Abflug. Ein letzter Kaufrausch bei dm und unserem Urlaub konnte nichts mehr im Wege stehen. Bewaffnet mit sexy Thrombosestrümpfen (für die Dinger fordern wir Waffenscheinpflicht!), und mit Aspirin verdünntem Blut (Hilfe, die Tabletten waren bereits seit 2 Jahren abgelaufen aber wir sind der lebende Beweis, dass Aspirin nach Ablaufdatum das Blut entgegen unserer Befürchtung nicht verklumpt) waren wir bereit, 12 Stunden eingepfercht in einem Flugzeug auf uns zu nehmen. Cats Papa, tapfer seiner Erkältung trotzend, setzt uns pünktlich am Düsseldorfer Flughafen ab und wir beide schafften es sogar problemlos unser Gepäck und schlussendlich auch uns selbst aufzugeben. Jetzt galt es, 12 Stunden in aufgeregter Erwartung befindlich totzuschlagen. Dies bewältigten wir unter Zuhilfenahme von Nintendo- bzw. Kartenspielen, diversen Filmen, den hervorragenden Service unserer überaus freundlichen Crew genießend oder in meinem Fall in ein gutes Buch vertieft. Erstaunlich schnell verstrich so die Flugzeit und wir fanden uns müde, verschwitzt und orientierungslos auf dem LAX Flughafengelände in der Metropole LOS ANGELES wieder.


Hier die Beteiligten: Andrea und Cat


Und hier erwartete uns die erste richtige Herausforderung: Wie schaffen wir es, unseren Mietwagen bzw. das Unternehmen „National Car Rental“ zu finden? Zahlreiche nette L.A.er standen uns voller Tatendrang und durchaus hilfsbereit zur Seite, es bedurfte jedoch ganze 4 Anläufe, bis wir endlich ernsthaft der Lösung unseres momentanen Problems auf die Spur gekommen waren: Nicht wir finden zum Wagen, ein Shuttelbus besagten Unternehmens findet zu uns, nämlich an dem purple sign, wo weniger ahnungslose Touristen bereits allwissend warteten, um von dort zu National und Alamo gekarrt zu werden. Hätte man uns das nicht gleich so sagen können?! Nun, zugegebenermaßen hatte man das, nur an unserer Umsetzung haperte es an diesem Tag etwas. Aber was soll man nach 12 Stunden Flug noch von uns erwarten?! Deshalb führe ich auch die Tatsache, dass wir vor Ort mal wieder hilflos an der falschen Schlange anstanden, auf unseren übermüdeten Gesamtzustand zurück. Vielleicht jedoch trägt unsere generelle Ahnungslosigkeit die Hauptschuld. Andrea trug zu unserer Rettung bei, weil sie andere Reisende (die mal wieder völlig zielgerichtet alles sofort fanden) eine Etage höher fahren sah, wo sich in der Tat der National Schalter befand, den wir seit einer Stunde schon zu lokalisieren versuchten.

Wir vertrauten weder unserer Orientierung, noch unserer Kartenlesekunst und buchten nebst Confort-Class-Auto noch ein Navigationsgerät (kurz Navi genannt), welches sich schon am darauffolgenden Tag als unverzichtbar erweisen würde. Zu unserer Bestürzung entpuppte sich der Confort Wagen tatsächlich nur als ein solcher, obwohl Andrea bis zur letzten Sekunde noch auf einen SUV gehofft hatte. Ein „schicker“ Nissan Versa in der in Amerika nicht unüblichen Trendfarbe GOLD sollte unser Gefährt für die nächsten Wochen sein. Womit hatten wir das bloß verdient?


Gold - mehr Anmerkungen bedarf es da nicht


Aber jetzt galt es erst einmal, unser Hotel, welches Cat schon Wochen zuvor gebucht hatte (das einzige, außer Mietwagen und Flug, was wir überhaupt vorab gebucht hatten) zu finden. Dann noch eine Kleinigkeit zu essen auftreiben um endlich eine Runde zu schlafen. Welch fromme Wünsche. Todesmutig wagte sich Andrea in den L.A. Feierabendverkehr. Nach wenigen Meilen entdeckten wir freudig unsere Herberge für die nächsten 2 Tage – das Howard Johnson Hotel In Los Angeles. Lachend inspizierten wir unser doch sehr altmodisch anmutendes Zimmer. Der Raum bestand jedoch unsere Sauberkeitskontrolle und so konnten wir endlich unsere 4 Koffer, 2 Rucksäcke nebst einer Handtasche abladen und uns fertig mit der Welt auf die komfortablen queen-sized Betten fallen lassen. Puh, finally we made it! Schnell noch und dringend benötigt frisch machen und dann raus ins Abenteuer! Denn größer als unsere Erschöpfung war lediglich unser Hunger und so zogen wir los, etwas Essbares aufzutreiben, und das um 3 Uhr morgens deutsche Ortszeit. Ein 7/11 Supermarkt konnte zwar als Getränkelieferant dienen (okay, das stille Wasser hier ist ungenießbar, soviel fanden wir schon am ersten Tag heraus), mit dem Angebot an Nahrungsmitteln überzeugte er jedoch nicht. Also ab ins Auto und einen Mac Donalds suchen. Ein Kinderspiel, so dachten wir.

Hat noch jemand das Wörtchen „dachte“ mitbekommen? Denn mit dem Denken klappte es nicht mehr so recht zu dieser doch für uns sehr fortgeschrittener Stunde, und so zogen 2 Kleinstadtpflänzchen einzig mit Hunger und der wiederholten Ahnungslosigkeit bewaffnet los, um die Straßen von L.A. zu erobern. Zu spät fiel uns auf, dass wir das Navi im Hotel vergessen hatten. Aber es sollte doch kein Problem darstellen, einen dämlichen McDoof in einer Millionenmetropole zu finden! Fast Food gibt es hier doch alle Nase lang zu finden. Ja, Fast Food schon - so weit das Auge reicht – aber wo zur Hölle ist ein Mac Donalds, wenn man einen braucht? Mit der naiven Vorstellung, den Weg ohne weitere Schwierigkeiten wiederfinden zu können, wagten wir uns immer weiter in L.A. vor, aber weit und breit kein erlösendes, gelbes M in Sicht. Keiner soll uns vorwerfen können, nicht flexibel zu sein, so entschieden wir uns spontan, dass Subway eine gute Alternative darstellte. Mit jeweils einem inchlong Sub ausgestattet, traten wir den Rückzug an.

Ohne jetzt mit Einzelheiten zu langweilen sei bloß gesagt: Der direkte Weg ist was für Warmduscher. Und so kam es, dass wir auf einer abenteuerlichen Entdeckungstour nebst 3 weiteren Subway-Fillialen auch einen Mac Donalds gefunden haben, aber wer schert sich schon um Nebensächlichkeiten. Letztendlich kamen wir unversehrt wieder im Hotel an und machten uns hungrig über die jetzt nicht mehr ganz so warmen (okay, okay, sie waren inzwischen kalt!) Subs her. Nach einer wohltuenden Dusche und einer kurzen Lagebesprechung hieß es dann endlich „Gute Nacht“. Ich wage es zu bezweifeln, dass eine von uns noch den Moment wach erlebte, indem unsere Köpfe in die Kissen gesunken sind.

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